Auf der Suche: Newcomerin Zay

Auf der Suche: Newcomerin Zay

Die Sängerin Zay hat am 28. Juni ihre dritte Single Sorry Not Sorry veröffentlicht. Ein Song mit Sommerhit Potenzial. Und ein weiterer Schritt auf der Suche nach Zays musikalischer Heimat. Wo sie herkommt und wo sie hin möchte, hat sie mir in einem Interview erzählt.

Aus Saudi-Arabien über Österreich in die Niederlande: Zay war schon an vielen Orten zu Hause. Nach Amsterdam ist sie eigentlich zum Studieren gezogen. Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Ein spannendes Studium für die Sängerin mit Interesse für Menschenrechtsthemen und Literatur. Aber ein paar Monate später klopfte das schwedische Label Linc an die metaphorische Tür. Und Zay machte auf und ließ die Chance herein.

Die Tochter eines Briten und einer Jemenitin macht Musik seitdem sie sieben Jahre alt ist. Sie hat sich Gitarre spielen selbst beigebracht und schon als Kind Lieder auf Arabisch, Englisch und Französisch geschrieben. „In meinem ersten Lied habe ich darüber gesungen, wie ich aus meinem Fenster schaue, meinen Nachbarn zu winke und sie mich zum Essen einladen“, erzählt die Sängerin mit einem Lachen.

Zay möchte Geschichten erzählen

Auch wenn sie in ihren Liedern heute andere Themen behandelt, das Erzählerische ist geblieben. „Heutzutage werden in vielen Popsongs einfach Sätze aneinander gereiht“, sagt Zay. „So möchte ich nicht schreiben.“

Deswegen verarbeitet sie persönliche Erlebnisse in ihren Texten. So handelt Sorry Not Sorry von einem Typen, der ihr Herz gebrochen hat – aber dem sie nicht hinterher trauert: „If you think I like that conversation – you’re not even close“.

Zay ist es wichtig, Lieder mit Inhalten zu schreiben. „Ich kann mich sehr mit Lana Del Rey identifizieren, die in ihren Liedern Geschichten erzählt“. Eine Künstlerin die es ähnlich gut versteht, Ohrwurmmelodien mit melancholischen Texten zu kombinieren, ist Lorde. Und auch Zay hört man eine gewisse Verletzlichkeit an, die Sorry Not Sorry von anderem Elektro Pop abhebt.

Zay Single Sorry Not Sorry Coverart

Auf eigene Faust

Besonders zeigt sich das in ihren Akkustikversionen, bei denen sie sich selbst mit Gitarre begleitet und mit denen alles anfing. Auf Youtube und Facebook teilte sie ihre ersten Lieder und Cover-Versionen.

„Ich liebe akkustische Musik. So habe ich angefangen: Nur meine Gitarre und ich“, sagt die Sängerin, die keine Angst vor Ehrlichkeit hat. Im Song Dance singt sie: „My parents think I got my shit together / Truth is I’m only half way to where / I wanna be“.

Die Ehrlichkeit hat sich scheinbar ausgezahlt. Auf ihre Videos wurde ein Produzent und Songwriter aufmerksam, der auch bei Linc unter Vertrag ist. Sie spielten gemeinsam die Single Cry in a Benz ein und Linc nahm sie unter Vertrag. Mit dem Plattenlabel ist zwar bisher kein ganzen Album geplant. „Aber ich habe meine eigenen Pläne“, sagt Zay, die auch auf eigene Faust eine EP produzieren möchte.

Fünf Sprachen im Kopf

Um ihre Ziele zu erreichen, hat Zay ihr Studium auf Eis gelegt und sich mit Menschen zusammen getan, mit denen sie Songs schreibt. Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern und Proudzenten weiß Zay zu schätzen. Auch wenn es am Anfang ungewöhnlich war für die Songwriterin, wenn ihre Texte geändert werden sollten.

„Ich habe bisher nur allein Songs geschrieben und mich ja bewusst für bestimmte Sätze entschieden“, sagt Zay. „Aber mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen und genieße meine Zeit in Songwriting Sessions.“

Die Texte schreibt sie vor allem auf Englisch und Französisch. Die Multilinguistin ging in Saudi-Arabien auf eine französische Schule und sprach deswegen schon vor ihrem 15. Lebensjahr drei Sprachen fließend. Mit ihrem Umzug nach Österreich lernte sie auch Deutsch, in den Niederlanden lernt sie Holländisch. „Ich finde die deutsche Musikszene sehr spannend. Sie ist sehr offen für viele Musikrichtungen. Ich möchte auf jeden Fall auch deutsche Lieder schreiben“, erzählt sie am Telefon.

Route wird berechnet

Ein Umzug nach Deutschland ist aber erstmal nicht geplant. „Ich habe in Amsterdam ein gutes Netzwerk aufgebaut und Leute gefunden, mit denen ich gerne zusammen arbeite. Das möchte ich nicht aufgeben“, sagt Zay.

Wo sie musikalisch hin will? „Noch bin ich für alles offen“, antwortet sie. „Ich lerne gerade sehr viel, befasse mich jeden Tag mit dem Musik machen und damit, wer ich als Künstlerin sein möchte.“

Die 20jährige spricht mit ruhiger Stimme. Trotz aller Höflichkeit, klingt sie fokussiert und zielstrebig. Auch wenn ihre Route noch nicht ganz klar ist, das Ziel steht fest: Zay wird Musik machen. Die Tür in die Musikwelt hat sie ja schon mal geöffnet. Und ich bin gespannt, was wir von ihr noch hören werden.

Wenn ihr Zays musikalische Reise verfolgen möchte, folgt ihr am besten auf Instagram.

Reinhören:


Foto: Lucie Cápková

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