Warum wir einen feministischen Musikblog brauchen

Warum wir einen feministischen Musikblog brauchen

Sie hat ihre Zeit gebraucht. Aber endlich präsentiere ich euch: Die Tonleiterin. Auf diesem feministischen Musikblog findet ihr Frauen, die Musik machen.

„Männer haben vielleicht ein anderes Sendungsbewusstsein“, überlegte eine schlaue Freundin von mir. Wir suchten gemeinsam eine Antwort auf die Frage, warum auch mehr Männer als Frauen einen Musikblog haben. Liegt es daran, dass Frauen nicht schreiben können? Dass sie die Online-Welt nicht verstehen? Dass sie keine Meinung haben? Aus vielfacher Erfahrung kann ich alle Fragen beneinen. Und dennoch sind Frauen auch online weniger sichtbar – in so gut wie allen Bereichen. Die Ausnahme bilden die stereotypisch weiblichen Gebiete wie Beauty, Kinder und Basteln, wie unter anderem eine Studie der MaLisa Stiftung zeigt.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich im Musikbusiness. Im Radio werden mehr Lieder von männlichen Interpreten und Komponisten gespielt, auf Festivals treten mehr männliche Acts auf und die Meinungsmacher in den Medien sind auch meistens männlich. Weil Frauen keine Ahnung von Musik haben? Auch hier kann ich guten Gewissens verneinen. Meine Playlists quellen über mit Musik von abnormal talentierten Frauen (wie Cat Power, Aldous Harding oder Angel Olsen). Für mich ist „Frau, die Musik macht“ kein Genre und auch keine Ausnahme.

Glücklicherweise bemerken das immer mehr Menschen und bemühen sich darum, die Sichtbarkeit von Frauen im Musikgeschäft zu erhöhen. So gibt es Frauennetzwerke oder Festivalzusammenschlüsse, die ihren Frauenanteil erhöhen wollen. Oder Radiosender, die am 8. März den ganzen Tag nur Musik von Frauen spielen. Aber es ist 2019! Wir können jeden Tag und jederzeit Frauen für ihre Leistungen bewundern und nicht nur zu besonderen Anlässen.

Musikalische Vorbilder für Frauen und Mädchen

Wieso müssen wir Frauen für ihre Leistungen bewundern? Weil nur dann allen Frauen und Mädchen klar wird, dass sie genauso viel erreichen können, wie Männer – und zwar alles was sie wollen. Wenn ich immer nur sehe, dass Männer die coolen Sachen machen (in Bands spielen, über Musik klugscheißen, Musik produzieren), dann komme ich nicht auf die Idee, dass ich das auch könnte. Kann ich aber. Vielleicht gewinne ich damit keine Preise, aber machen kann ich es auf jeden Fall.

Die Tonleiterin will Vorbilder und Identifikationsfiguren für Frauen und Mädchen bieten und sagen: Auch ihr könnt Musik machen, wenn ihr Bock habt! Vielleicht motiviert es die ein oder andere, etwas Neues auszuprobieren. Gerne auch den ein oder anderen. Denn Frauen aus der stereotypischen Frauenrolle rauszuholen, ermöglicht es ja auch Männern nicht-stereotypische Eigenschaften an sich selbst zu entdecken. Und wenn auf diesem Musikblog niemand zu irgendwas motiviert wird, habt ihr vielleicht einfach sehr gute Musik entdeckt. So viel Sendungsbewusstsein nehm ich mir einfach mal raus.

Foto: Lena Dillmann

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